Erstmals beobachten Forschende, wie ein Wolf die Sperrzone von Tschernobyl verlässt

Für den Wolf war es wohl nur ein Ausflug, für die Wissenschaft ist es mehr: Forschende verstehen jetzt besser, wie es den Wildtieren in dem radioaktiv verstrahlten Gebiet heute geht.

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05 Juli 2018, 11:08am

Dieser Wolf stammt nicht aus der Sperrzone von Tschernobyl | Bild: Shutterstock | Vlada Cech

In der Sperrzone von Tschernobyl trifft man nur selten Menschen: ein paar Bauarbeiter, vereinzelt Reisende. Das hat gute Gründe, denn das Sperrgebiet wurde 1986 mit einem Radius von 30 Kilometern um den havarierten Reaktorblock des Kraftwerks gelegt, um Bewohnerinnen und Bewohner vor Radioaktivität zu schützen. In dem menschenleeren Gebiet verbreiten sich jedoch Wildtiere. Tatsächlich scheint es einigen Tieren dort so gut zu gehen, dass sie sich nun über die Sperrzone hinaus ausbreiten.

Vor allem für den Grauwolf ist das Sperrgebiet zu einer Art Reservat geworden, besagt eine neue Studie, die im European Journal for Wildlife Research veröffentlicht wurde. Um das Kraftwerk herum leben gemessen an der Fläche sieben Mal so viele Wölfe wie in umliegenden Gebieten. Zum ersten Mal hat das Forschungsteam nun beobachtet, dass ein junger Grauwolf die Sperrzone verlassen hat.

Wie die Forschenden berichten, verfolgten sie Anfang 2015 mit einem GPS-Tracker die Bewegungen eines Wolfes. Er habe sich innerhalb von 21 Tagen 369 Kilometer von der Zone wegbewegt. Im Durchschnitt legte er 16,8 Kilometer am Tag zurück. Allerdings ist nicht bekannt, ob der Wolf in die Sperrzone zurückkehrte oder sich ein neues Revier suchte – leider hörte das GPS-Halsband auf zu senden, sagte Byrne.


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Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass Wölfe aus der verstrahlten Sperrzone mutiertes Erbmaterial weitergeben, sagte Michael Byrne, einer der Autoren der Studie, gegenüber Live Science. Wegen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl mussten Zehntausende Menschen ihre Heimat verlassen. Wildtiere wie Rehe, Elche, Wildschweine und Wölfe konnten sich in den letzten 32 Jahren fernab von menschlichen Einflüssen jedoch ungestört ausbreiten.

Auch etwa 900 Hunde streunen durch das Sperrgebiet. Es sind die Nachkommen von Haustieren, die zurückgelassen wurden, als das Gebiet in kürzester Zeit evakuiert wurde. Das Forschungsteam sieht den jungen Wolf als Hinweis darauf, dass sich die Wildtiere aus Tschernobyl auch außerhalb der abgeschotteten Zone ausbreiten könnten und die Natur sich das vom Menschen verstrahlte Gebiet zurückerobert.

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