Diese Psycho-Tricks nutzen Navy SEALs, um ihre Angst zu besiegen

Die Psychotrainings der Militärspezialeinheit könnten dir auch auch in deinem Alltag helfen.

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13 Juli 2015, 9:14am

Nicht nur körperlich fit: die Navy SEALs. Bild: Wikipedia, US Navy | Gemeinfrei

Nicht nur körperlich fit: die Navy SEALs. Titelbild: Wikipedia US Navy | Gemeinfrei

Die Navy SEALs (Abkürzung für Sea, Air, Land) sind die ultimative Spezialeinheit für alle Gegebenheiten. Ihr inoffizielles Motto lautet „Der einzig leichte Tag war gestern" und genauso hart sind die Kerle auch drauf. Dennoch: sogar die mit allen Wassern gewaschenen Supersoldaten sind nur Menschen. Auch sie müssen gelegentlich auf ein paar psychologische Tricks zurückgreifen, um sich angesichts der riesigen Herausforderungen und Risiken ihres Jobs nicht vor Angst in die Camouflage-Cargohosen zu machen.

Praktischerweise lassen sich die Überlebenstipps der SEALs auch von jeder anderen Person mit etwas Übung anwenden, denn Grundlage für den souveränen Umgang mit der Angst ist die Struktur unseres Gehirns (und die ist bei uns nicht anders als bei den SEALs). Die auf Grund ihres Aussehens auch als Mandelkern bezeichnete Amygdala ist das Kerngebiet des limbischen Systems und das Angstzentrum des Gehirns. Sie steuert den Fluchtinstinkt, das Aggressionsempfinden und ist an jeder Form von Erregung sowie dem affekt- und lustbetonten Empfinden beteiligt.

Sobald wir in eine lebensbedrohliche Situation gelangen, reagiert die Amygdala mit einem instinktiven Impuls, lange bevor sich der Frontallappen und dessen präfrontaler Cortex einschalten und die Situation „abwägen" kann. Um diese im menschlichen Gehirn tief verankerten Ängste in den Griff zu bekommen, sie zu umgehen und sich der Gefahrensituation zu stellen, helfen sich die SEALs mit den sogenannten Big Four—vier psychologischen Top-Techniken für den Umgang mit Paniksituationen.

Nur Ruhe in den Augen der Navy SEALs. Bild: Wikimedia, US Navy | Gemeinfrei

Selbst simples Sprechen vor Publikum kann manchmal bereits einen gravierenden Angstimpuls auslösen, da die Angst vor Ablehnung eine der menschlichen Urängste ist. Damit auch ihr euren instinktiven Programmierungen nicht in unglücklichen Situationen hilflos ausgeliefert seid, geben wir euch hiermit einen Leitfaden zum Selbstausprobieren.

Mit diesen Psychotricks seid ihr gewappnet für die Unwegbarkeiten eures Alltags:

1. Zielsetzungen zum Festhalten

Setzt euch ein positives, möglichst emotional besetztes Erlebnis als Ziel. Am besten eignet sich etwas, das ihr in naher Zukunft erleben werdet. Diese Vorstellung dient als Anker für eure innere Balance.

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Da die Amydgala in Stresssituationen wie verrückt feuert, entsteht im Kopf ein heilloses Chaos. Durch das intensive Festhalten an diesem innerlichen Antrieb ist es dem Frontallappen möglich, Ordnung in die mentale Überforderung zu bringen und die Amygdala zu beruhigen.

Der Frontallappen wird auch als menschlichster Teil des Gehirns betrachtet und manchmal sogar als „Organ der Zivilisation" charakterisiert. Die SEALs denken in solchen Situationen oft an ihre Familie, Freunde, religiöse Überzeugungen oder andere Dinge, die in ihrem Leben wichtig sind.

2. Automatisierung durch Mentaltraining

Die folgende mentale Trainingstechnik, auf die SEALs zurückgreifen, ist vielen auch unter dem Begriff „Visualisierung" bekannt. Hierbei handelt es sich darum, Situationen nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf so oft wie möglich durchzuspielen und somit zu automatisieren. Sportler nutzen diese Technik, indem sie ihren Sprint oder ihren Sprung nicht nur praktisch bis zur traumwandlerischen Sicherheit immer wieder üben, sondern sich den genauen Ablauf der Anforderung in kleinsten Details in ihrem Kopf einprägen.

Für den Alltagsmenschen, der keine Geiseln befreien oder Bergsteiger aus verschütteten Felsspalten retten muss, sind sicherlich andere Visualisierungen interessant als für die Navy SEALs. Doch auch Vorstellungsgespräche, Reden vor größeren Runden oder effizientes Einkaufen lassen sich auf diese Weise wesentlich vereinfachen.

Angst ist uns ein Fremdwort. Bild: Wikimedia, US Navy | Gemeinfrei

Wichtig ist auch, sich nicht nur den idealen Verlauf einer Situation vor dem inneren Auge einzuprägen, sondern auch jegliches Detail, das dem reibungslosen Ablauf im Weg stehen könnte. Denn nichts läuft immer nur nach Plan und sobald jede unvorhergesehene Störung ins Mentaltraining mit aufgenommen wird, kann die Person einfach die automatisierte Handlung jeglicher Couleur abrufen und ist top gerüstet. Viele Personen, die regelmäßig öffentlich sprechen, nutzen diese Technik und auch Psychologen arbeiten auf diese Weise, wenn sie Phobiepatienten den gefürchteten Stimuli aussetzen.

3. Selbstgespräche für mehr Selbstvertrauen

Für die Erkenntnis, dass es einen enormen Unterschied macht, ob man seine persönlichen Selbstgespräche mit Horrornachrichten versieht oder freudvolle Sätze nutzt, muss man kein ambitionierter Leser von Selbsthilfebüchern sein. Die SEALs haben es sich in ihrem Training zur Routine gemacht, sich ausschließlich positive Botschaften in ihren Selbstgesprächen zu sagen.

Der Drohnenkriegsveteran

Wenn man bedenkt, dass wir die Fähigkeit haben, bis zu 400 Wörter pro Minute zu hören und zu verstehen, ergibt es durchaus Sinn, sich in diesem Wasserfall innerer Dialoge eher zu motivieren. anstatt sich in eine depressive Starre zu denken. Und auch die Amygdala lässt sich mit den positiven Gedankendialogen überlisten und ihre umkoordinierte Panik beruhigen.

4. Erregungskontrolle per Atem

Was fehlt traditionell noch, wenn es darum geht, nicht durchzudrehen? Genau, die Atemkontrolle. Langes Ein- und Ausatmen bringen dich wieder einigermaßen auf den Boden der Tatsachen und beruhigen deine körperliche Reaktion. Langes Ausatmen imitiert den realen Entpannungsprozess deines Körpers, während das ausgedehnte Einatmen dein Gehirn mit Sauerstoff versorgt und so die kognitive Denkfähigkeit verbessert.

Um die kraftvollen Informationen der Amygdala zu bannen, ist es jedoch wichtig, beides zu kombinieren. Also: lange einatmen und lange ausatmen, lange einatmen und lange ausatmen und so weiter. Wer in dem entscheidenden Moment nicht zwischen lang und kurz unterscheiden kann, dem hilft es vielleicht, beim Atmen bis fünf zu zählen.

Wer hätte gedacht, dass die Navy SEALs ihm oder ihr einmal beim gefürchteten Gang in den überfüllten Supermarkt oder dem Besuch des Schlangenhauses helfen könnten? Alltagstips vom US-Militär—das ist doch mal eine sinnvolle Maßnahme für die katastrophenerprobten Spezialeinheiten.