Freundlicher Informatiker baut Passwort-Karte für Flughafen-WLANs in aller Welt

Darunter sind auch die Passwörter von First-Class-Lounges. Nett von dir, Anil.

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07 Oktober 2016, 12:41pm

Bild: Screenshot WiFox

Du gammelst auf irgendeinem Flughafen auf der Welt herum. Noch endlos lange, bis du endlich abheben kannst. Zwei Drittel aller Parfums im Duty-Free-Shop befinden sich bereits auf deinem Handgelenk, der Muffin für fünf Euro fünfzig ist aufgegessen und das Hartschalenkoffer-Angebot im Reisegepäckladen kennst du auch schon auswendig. „Jetzt ein bisschen INTERNET", denkst du dir.

Hättest du nur Zugang zur First-Class-Lounge, indem es neben einen unbegrenztem Brötchen-, Meinungsführer-Zeitungen- und Kaffee-Vorrat auch Massagesessel und vor allem eines gibt: unbegrenztes, superschnelles WLAN!

Anil Polak fühlt mit dir. Der Informatiker und Reiseblogger hatte keine Lust mehr auf komplizierte Anmeldeverfahren und Langeweile am Gate bei einem verspäteten Flug—und hat daher netterweise globale Flughafen-Passwörter in einer übersichtlichen, interaktiven Karte gesammelt, die er ständig mit und für seine Leser erweitert und bei einem Passwortwechsel updated. Mittlerweile steht die Karte auch als App in den gängigen Stores für mobile Geräte zur Verfügung.

Mit diesen crowdgesourcten Passwörtern und Zugangsmodalitäten kannst du auf der ganzen Welt drahtlose Netzwerke in Flughäfen nutzen—darunter auch solche, die normalen Kunden gar nicht zur Verfügung stehen, ohne ein 12.000 Euro teures Flugticket zu lösen oder dich in die First Class-Lounge zu mogeln. Lungerst du also geschickt in der Nähe dieser Lounges herum, kannst du dank Anils Karte in den Genuss schneller Internetverbindungen kommen, ohne dir eine Abfuhr vom Türsteher zu holen.

Das beste daran: Solche Verbindungen sind meist nicht zeitlich beschränkt—nur falls du also zu der Sorte Mensch gehören solltest, die viel zu früh am Flughafen rumhängt oder den Flug gerne mal komplett verpasst. Denn viele offene WLAN-Netze von Flughäfen trennen die Verbindung nach 30 oder 60 Minuten vorübergehend bis zu einer umständlichen Neuregistrierung—und manche merken sich deine E-Mail-Adresse oder deine MAC-Adresse (deine Gerätekennung) und lassen dich gar nicht mehr rein. Für all solche Probleme sind auf Polaks Karte in vielen Fällen spezielle Lösungsvorschläge angegeben.

Tipps, um die Reichweite deines WLAN-Sensors am Laptop zu erhöhen—was im Zweifel den Unterschied zwischen dem kalten Boden oder einem bequemen Sessel ausmachen kann—liefert Anil auch gleich mit (die besten: in der Nähe von metallischen Oberflächen abhängen, Laptop einstöpseln und nach versteckten freien Netzwerken mit kostenlosen Tools wie NetStumbler oder KisMAC suchen).

Ganz besonders praktisch und zeitsparend ist seine Karte für exotische Orte, in denen kein kostenloses WLAN zur Verfügung gestellt wird. Solltest du dich also das nächste Mal im Ngurah Rai-Flughafen in Indonesien wiederfinden, geh einfach gleich ins Restaurant Mandat, statt ewig nach einem Signal rumzusuchen (Passwort: lovebali). Anil selbst trägt übrigens auch seinen Teil dazu bei, die Karte aktuell zu halten: Sein erklärtes Ziel ist es, jedes Land der Erde zu bereisen.

Zum Schluss noch eine kleine Warnung: Der wohl einfachste Weg, gehackt zu werden, ist, ein ungeschützter Teilnehmer in einem öffentlichen WLAN zu sein. Wenn es dumm läuft, kann ein Fremder mal eben zwischen Start und Landung die gesamte E-Mail-Inbox mitlesen oder auch das ein oder andere Passwort abfangen.

Um das zu vermeiden, gibt es ein paar wichtige, einfache Regeln: Lass nicht zu, dass sich dein Gerät automatisch in ein offenes WLAN einloggt—es könnte eine Hacker-Falle sein. Achte auf den Vorsatz „Https" in der Browser-Adressleiste, wenn du dich irgendwo im Internet einloggst (andere Verbindungen sind unverschlüsselt und damit leicht für Dritte mitzulesen). Und schließlich: Benutze ein Virtual Private Network, das wie ein Tunnel durch öffentliche Verbindungen funktioniert und die übertragenen Daten für Angreifer zwischen Absender und Empfänger verschlüsselt. Dafür gibt es auch kostenlose Tools—aber das ist wieder eine andere Geschichte.