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"Wir verkaufen keine Daten": Was hinter dem Satz steckt, den Zuckerberg gerade ständig wiederholt

Dass Zuckerberg diesen Satz so oft sagen musste, zeigt, dass viele Kongress-Abgeordnete nicht verstanden haben, wie Facebook funktioniert. Denn das Problem mit Facebooks Datengier liegt woanders.

Kaleigh Rogers

Kaleigh Rogers

Mark Zuckerberg am 10. April 2018 bei der Anhörung vor dem US-Kongress in Washington DC | Bild: imago | Xinhua 

Es klingt fast schon wie ein Mantra: "Wir verkaufen keine Daten". Diesen Satz wiederholte Mark Zuckerberg in den letzten Tagen bei der Anhörung vor dem US-Kongress immer wieder. Es sind nicht nur die Kongressabgeordneten, die der Facebook-Chef damit besänftigen will. Wenn besorgte Nutzer berichten, dass sie ihren Account löschen wollen, hört man immer wieder diesen einen Satz als Begründung: "Facebook verkauft all meine Daten, das will ich nicht." Tatsächlich ist so ziemlich das Gegenteil der Fall: Facebook verkauft die Daten seiner Nutzer nicht. Was das Unternehmen allerdings sehr wohl tut: Es sammelt so viele Informationen wie möglich über jeden einzelnen Nutzer – um auf dieser Grundlage die eigenen Anzeigenprodukte zu verbessern.

Diese Werbetools können präziser als je zuvor in der Geschichte des Marketings Anzeigen an genau die Zielgruppe ausspielen, die die Werbenden erreichen wollen. Das funktioniert über das sogenannte Targeting von Facebook – das stets über die Facebook-eigenen Programme abläuft. Dieses Programm verrät den Werbekunden keine Daten der Facebook-Nutzer, sondern macht sie lediglich nutzbar. Wie genau Facebooks Werbetools funktionieren, erklären wir hier am Beispiel des Bundestagswahlkampfs.

Zuckerberg betonte dann auch allein am ersten Tag der Anhörung acht Mal, dass sein Unternehmen keine Daten verkaufe. Das klang dann ungefähr so: "Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass wir Daten an Werbekunden verkaufen. Das tun wir nicht, wir verkaufen an niemanden Daten", sagte Zuckerberg am Dienstag vor dem Kongress. "Werbekunden können uns nur sagen, wen sie mit ihrer Werbung erreichen wollen, und dann platzieren wir die Werbung."

Dem Abgeordneten Greg Walden reichte diese Aussage nicht. In der zweiten Anhörung, der sich Zuckerberg am Mittwoch stellte, konfrontierte Walden den 33-jährigen CEO mit einem wichtigen Punkt: "Auch wenn Facebook Nutzerdaten nicht im traditionellen Sinne verkauft, sind sie wahrscheinlich das Wertvollste an Facebook", sagte er. "Vielleicht sind sie sogar das einzig wirklich Wertvolle an Facebook."

Auf den ersten Blick klingt es nobel, dass Facebook die Daten seiner Nutzer nicht offen zum Verkauf anbietet. Doch dahinter stecken nicht nur Datenschutzgründe, sondern schlicht wirtschaftliche Interessen. Facebook profitiert davon, dass sie Daten unter Verschluss halten. Die Daten sind wertvoll, und indem Facebook sie vor anderen schützt, kann es an denselben Informationen immer und immer wieder verdienen. Wenn Facebook die Daten an einen Werbekunden verkaufen würde, würden die Daten sofort einen Teil ihres Wertes verlieren.


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Heute sind die Nutzerdaten bei Facebook tatsächlich noch sicherer als in der Vergangenheit. Der Skandal um Cambridge Analytica hat gezeigt, dass in der Vergangenheit externe Firmen sehr wohl auf Facebook Daten sammeln und weiterverkaufen konnten. Zwar haben die Verkäufer im Fall Cambridge Analytica gegen Facebook-Richtlinien verstoßen, doch trotzdem zeugt der Fall auch davon, dass das Tech-Unternehmen damals die Kontrolle über Nutzerdaten verloren hat. Damit so etwas nicht wieder passieren kann, hat Facebook seine Plattform 2015 so umgebaut, dass Drittanbieter über die Entwicklerschnittstelle nicht mehr unbefugt und unbemerkt mehr Daten sammeln können, als die Nutzer erlauben. Das ist gut für den Nutzer – aber es ist noch viel besser für Facebook, das somit seine kostbaren Daten vor der Außenwelt schützt.

Tatsache ist, dass die Informationen, mit denen Nutzer Facebook füttern, das wertvollste Gut der Plattform sind. Diese Daten werden gesammelt, gespeichert und analysiert, damit das Unternehmen den höchstmöglichen Profit aus ihnen schlagen kann. Und dies passiert eben nicht, indem Facebook die Daten weiterverkauft, sondern damit noch mehr Werbekunden gewinnt, die die Facebook-Anzeigetools nutzen und dem Tech-Konzern dafür Geld geben.

Der Skandal um Cambridge Analytica zeigt aber auch: Vielen Nutzern war nicht bewusst, was Facebook mit den eigenen Daten macht. Darum war auch eine der wichtigsten Fragen während der Kongressanhörung, warum Facebook seine Nutzer nicht besser über die Vorgehensweise der Plattform aufgeklärt habe. Eine konkrete Antwort ist Zuckerberg den Abgeordneten und der Öffentlichkeit bisher schuldig geblieben. Stattdessen wiederholte er immer wieder den besänftigenden Satz, dass Facebook wirklich keine Daten verkaufe. Das stimmt. Eine Menge Geld verdient Facebook mit den Daten trotzdem.

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