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Was die älteste Farbe der Welt über die Entstehung der Menschheit verrät

Forscherinnen sind in Westafrika auf 1,1 Milliarden Jahre alte Farbreste gestoßen. Allein die Entdeckung der pinkfarbenen Pigmente ist eine wissenschaftliche Höchstleistung.

Daniel Oberhaus

Daniel Oberhaus

Laborleiterin Janet Hope hält eine Probe der ältesten Farbe der Welt | Bild: Australian National University

Ein Forschungsteam der Australian National University hat die ältesten Farbpigmente der Erdgeschichte entdeckt. Die Pigmente sind 1,1 Milliarden Jahre alt und stammen aus einer Gesteinsschicht aus dem Taoudenni-Becken in Westafrika. Das Farbspektrum der Pigmente reicht von blutrot bis purpurn und leuchtet in verdünnter Form rosa. Die Farbpigmente sind die älteste von Lebewesen hergestellte Farbe der Erdgeschichte.

Bei der Farbe handelt es sich um Überreste von Chlorophyll, das von Cyanobakterien produziert wurde. Das erläutern die Forscherinnen in einem am 9. Juli in Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Paper. Chlorophyll ist der grüne Farbstoff, den Pflanzen und einigen Bakterienarten für die Fotosynthese nutzen, bei der Sonnenlicht absorbiert und in chemische Energie umgewandelt wird. Ihre rötliche Farbe verdanken die Pigmente versteinerten Porphyrinen – organische Purpurfarbstoffe, die ein Baustein von Chlorophyll sind.

Schon die Entdeckung der Farbpigmente ist eine Sensation

Das Forschungsteam extrahierte die Porphyrine aus 1,1 Milliarden Jahre altem Gestein, das sie pulverisierten. Die Entdeckung allein ist bemerkenswert, denn Bakterien und Algen hinterlassen so gut wie keine identifizierbaren Spuren. Anstatt also nach den Bakterien und Algen selbst zu suchen, hielten die Forscherinnen nach Indikatoren für Fotosynthese Ausschau, in diesem Fall nach Porphyrine.

Die nun entdeckten Farbpigmente könnten helfen, die Frage zu beantworten, warum es vor einer Milliarde Jahre noch keine großen, aktiven Organismen auf der Erde gab. Ein Erklärungsansatz lautet, dass es damals noch nicht ausreichend große Nahrungspartikel wie Algen gab, um Tiere zu ernähren.


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Die Forschungsergebnisse liefern starke Hinweise darauf, dass die Meere vor einer Milliarde Jahren von Cyanobakterien dominiert wurden, die als Energiequelle für große, komplexe Organismen nicht ausgereicht hätten. Erst als sich Algen entwickelten, waren auch gute Bedingungen für komplexe Lebensformen, wie Fische und Tiere, geschaffen. Denn obwohl auch Algen sehr klein sind, sind sie etwa tausendmal größer als Cyanobakterien.

"Vor etwa 650 Millionen Jahren ging die Zahl der Cyanobakterien in den Meeren zurück", sagte Jochen Brocks, Professor für Geowissenschaften an der Australian National University. "Die Algen verbreiteten sich rapide und lieferten den Energieschub, der für die Evolution von komplexen Ökosystemen mit großen Tieren, inklusive Menschen, nötig waren."

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