Kurze Durchsage von Obama: Das Grundeinkommen ist eine gute Sache

Selbstfahrende Autos sind nur ein erstes Zeichen für die Notwendigkeit einer finanziellen Grundversorgung der Gesellschaft.

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27 Juni 2016, 3:03pm

Bild: Wikimedia | The Official White House Photostream | Public Domain

Anfang dieses Monats haben die Schweizer die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens abgelehnt, nun lenkt Präsident Obama die Aufmerksamkeit der politischen Debatten um soziale Gerechtigkeit erneut auf das Thema. Tatsächlich deutet auch Barack Obama mit Aussagen in einem Bloomberg-Interview an, dass er überzeugt davon ist, dass das BGE in Zukunft immer wichtiger werden könnte: „Ich sehe das so, aufgrund von Automatisierung und Globalisierung müssen wir den Sozialvertrag noch einmal genauso unter die Lupe nehmen, wie wir das bereits im frühen 19. Jahrhundert und nach der Großen Depression gemacht haben. DIe Idee der 40-Stunden-Woche, des Mindestlohns, Gesetze zur Kinderarbeit, etc.—das alles wird für die neuen Realitäten aktualisiert werden müssen."

Besonders die Automatisierung vieler Branchen und das Voranschreiten Künstlicher Intelligenzen ersetzt in immer mehr Berufszweigen menschliche Arbeiter durch wesentlich effizientere Maschinen. Selbstfahrende Autos werden radikale Veränderungen im Transportwesen mit sich ziehen, in Restaurants könnten die Arbeitskräfte durch Robotertechnik ersetzt werden und der Mensch wird dank des Einsatzes von Drohnen aus der Lieferkette gestrichen.

Das sind nur wenige grundlegende Beispiele für die Freistellung des Menschen aus der Arbeitswelt. So wird sich der Beruf des Arztes durch Telemedizin, Online-Ferndiagnosen oder Roboterchirurgie grundlegend wandeln und die Gesellschaft vor völlig neuartige Probleme stellen. Bereits heute ist absehbar, dass die Automatisierung intelligenter Maschinen die Arbeitswelt auf den Kopf stellen wird: „Wenn wir jetzt klug handeln, dann kreieren wir eine Fahrbahn, um diesem Übergang die Heftigkeit zu nehmen", so der US-Präsident.

Schon die kurzen Interview-Aussagen von Obama zeigen, dass er sich der Vorteile des zunehmenden technischen Fortschritts bewusst zu sein scheint—er sieht aber auch die Schwierigkeiten, die mit den Verheißungen einhergehen. „Es gibt viele Gründe, die für Smartcars sprechen. Der signifikante Rückgang von Verkehrstoten, ein effizenterer Gebrauch der Fahrzeuge und damit auch weniger Umweltbelastungen, die den Klimawandel vorantreiben", greift Obama die Verbindung zwischen Automatisierung und einer sozialen Grundversorgung auf finanzieller Basis auf. „Wir haben jedoch noch nie darüber nachgedacht, was mit den Menschen passiert, die ihren Lebensunterhalt mit dem Transport verdienen, dort wird es einen großen Widerstand geben." Als konkrete Beispiele führt er die Uber-Mitarbeiter und Busfahrer an, deren Jobs mit der Einführung selbstfahrender Transportmittel als erstes auf der Kippe stehen.

Drei Gründe, warum das bedingungslose Grundeinkommen die Zukunft ist

Es geht also darum, die Technologie mit dem Wohl des Menschen in Einklang zu bringen, dann wird sicher auch die Angst gegenüber einer computerisierten Arbeitswelt schwinden und dem Schreckgespenst der Roboter die Grausamkeit genommen. „Ich denke, es ist eine schlechte Entscheidung, die Effizienz und Produktivität von den Aspekten zu trennen, wie die Menschen leben und ihre Familien versorgen", argumentiert Obama und verweist damit auf die nie zuvor dagewesene Produktivität, die eine automatisierte Wirtschaft mit sich bringen wird—die Effizienz, die ein hochtechnisiertes, von Robotern angetriebenes System auf die Beine stellt, sorgt so gleichzeitig für ein Plus an Mehr-Einnahmen, das wiederum in das BGE investiert werden kann. So argumentieren zumindest Verfechter des Grundeinkommens wie die Hacker und Buch-Autoren Constanze Kurz und Frank Rieger, die diesen Ansatz in ihrem Buch als Automatisierungsdividende durchgerechnet haben.

Obama scheint ähnlich zu denken, wenn er technologische Effizienz und die soziale Gerechtigkeit des BGE gedanklich zusammenführt—ausdrücken tut er dies in einem hübschen mathematischen Satz: „Es handelt sich hier nicht um eine Frage des entweder/ oder. Die Situation lässt sich nur mit beides/ und bewältigen."