Ein winziger Ausschnitt aus dem Milchstraßenfoto, der den Nebel M8 zeigt. Bild: Lehrstuhl für Astrophysik, RUB

Bochumer Forscher enthüllen größte bisherige Aufnahme unseres Universums

Eine Bilddatei mit satten 46 Milliarden Bildpunkten und 194 Gigabyte zeigt die Milchstraße in ihrer gewaltigen Dimension. Keine Angst, es gibt auch eine komprimierte Online-Version.

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Okt. 23 2015, 8:55am

Ein winziger Ausschnitt aus dem Milchstraßenfoto, der den Nebel M8 zeigt. Bild: Lehrstuhl für Astrophysik, RUB

Satte 46 Milliarden Bildpunkte misst die größte Panorama-Aufnahme der Milchstraße, die jemals gemacht wurde. Veröffentlicht wurde sie am Mittwoch von Astronomen der Ruhr-Universität Bochum.

Die Forscher um Prof. Dr. Rolf Chini hatten in den vergangenen fünf Jahren Nacht für Nacht Bilder von unserer Galaxie gemacht. Sie nutzen dafür die Teleskope der Bochumer Universitätssternwarte in der chilenischen Atacama-Wüste, wo die größten Sternwarten der Welt zuhause sind.

Hat ein NASA-Teleskop wirklich gerade außerirdische Architektur entdeckt?

Sinn und Zweck der allnächtlichen Südhimmelbeobachtung war das Entdecken sogenannter Objekte mit variabler Helligkeit. Dazu gehören zum Beispiel Sterne, die sich gegenseitig umkreisen—oder küssen—und Planeten, die an Sternen vorbeiziehen. Über 50.000 dieser Objekte hat der Bochumer Lehrstuhl für Astrophysik so bereits entdeckt. Moritz Hackstein wird die bisher nicht verzeichneten Objekte im Rahmen seiner Doktorarbeit katalogisieren.

Aufgrund seiner immensen Größe mussten die Forscher das observierte Gebiet in 268 Felder aufteilen, von denen jedes alle paar Tage wieder fotografiert wurde, um Veränderungen der Helligkeit zu überprüfen. Ein Rechenprozess, der mehrere Wochen Zeit in Anspruch nahm, setzte nun diese 268 Felder mit ihren unzähligen Einzelaufnahmen zu einem gigantischen Milchstraßen-Panorama mit einer Größe von insgesam 194 Gigabyte zusammen.

Über ein speziell entwickeltes Online-Tool kann nun jeder die Milchstraße in ihrer Gesamtheit betrachten oder in bestimmte Bereiche hineinzoomen, ohne die Datei in voller Größe abrufen zu müssen. Auch die Suche nach gezielten Objekten wie Sternen oder Lagunennebeln innerhalb der Milchstraße ist möglich, allerdings sollte man sich hier auf eine beträchtliche Ladezeit der Bilder einstellen.

Das Panoramabild der Bochumer Forscher löst nun das 20-Gigapixel-Infrarotbild unserer Galaxie als größtes Weltraumfoto der Welt ab, welches die NASA im März letztens Jahres veröffentlicht hatte.