10 Jahre später: Wer steckte hinter 2 Girls 1 Cup?

Jeder hat den Clip gesehen. Nun hat ein Reporter recherchiert, was aus den Darstellern und Machern des Films geworden ist, der wie kaum ein anderer das Internet geprägt hat.

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18 Mai 2017, 11:19am

Bild: Shutterstock

Knapp zehn Jahre ist es jetzt her, dass der einminütige Scat Porn-Clip 2 Girls 1 Cup das halbe Internet dazu gebracht hat, den verbotenen Link zu klicken und endlose Reaction-Videos zu drehen. Aber was ist eigentlich aus den Machern des Films geworden, der wie kaum ein anderer das Internet geprägt hat? Ein Autor des MEL Magazines hat sich auf die Suche begeben.

Der Regisseur

Marco Fiorito hatte aller Wahrscheinlichkeit niemals vor, einen viralen Hit über das Verspeisen und wieder Auskotzen von Fäkalien zu landen. Er wollte – das geht aus einer Aussage vor einem US-Gericht hervor – bloß eine kleine, brasilianische Fetisch-Community bedienen und keine Großmütter in den USA schocken. Angefangen hat Fiorito 1996 damit, Fußfetisch-Filme mit seiner Ehefrau Letícia zu drehen und unter dem Firmennamen MFX zu verkaufen, ganz klassisch per lokalen Zeitungs-Announcen in São Paulo. Sein erster internationaler Erfolg sollte Hungry Bitches werden. 2 Girls 1 Cup war ein Ausschnitt des Films, der die ganz besonderen Qualitäten dieses Titels auch im Netz anpreist. Die Kontrolle über den Clip entglitt Fiorito relativ schnell. In kürzester Zeit wurde das Video auf vielen verschiedenen Seiten neu hochgeladen und verstört bis heute zuverlässig neue Internetnutzer.

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Den weltweit durchschlagenden "Erfolg" von 2 Girls 1 Cup hat Fiorito offenbar nie wirklich ausgenutzt, so die Recherchen des MEL Magazine-Artikels. Fiorito hat nie wieder einen internationalen Viralhit gelandet und es ist still geworden um den Regisseur. Interviews hat er nie gegeben, mit seiner Arbeit aufgehört aber eben auch nicht. Aus MFX wurde NEWMFX ("NEWMFX IS THE HOME OF THE BEST SEX, MILF AND BIG BOOBS"), eine Online-Porno-Seite, mit so vielversprechenden Videosammlungen wie New Vomit in Brazil und New Piss in Brazil. Weder Reaction-Videos von wütenden Großmüttern noch von sich erbrechenden College-Studenten haben Fiorito von seinem Pfad abgebracht.

Der Hintermann

Bestraft wurde Marco Fiorito nie dafür, der halben Welt schlagartig die Existenz von Scat Porn bewusst zu machen. Erwischt hat es aber seinen Geschäftspartner, Danilo Croce, einen brasilianischen Anwalt, der in Florida gelebt und Webseiten für den Vertrieb von Fetisch-Porn betrieben hat. Auch Fioritos Filme verkaufte er in den USA.

Croce geriet ins Visier des FBI, das unter Anleitung der Bush-Regierung gegen Hardcore-Pornografie durchgreifen sollte. 2006 wurde Croce in Florida festgenommen. Den viralen Erfolg der Girls und ihres Cups wird er also nicht ausgekostet haben können. Für den Verkauf von Fioritos Filmen und anderen Videos mit so lustvollen Titeln wie Toilet Man 6 wurde Croce wegen der "Verbreitung obszöner Inhalte" zu einer Strafe von 98.000 US-Dollar verurteilt und musste nach Brasilien zurückkehren.


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Die Darsteller

Wer geglaubt hat, dass die beiden Darstellerinnen nur eine sehr schlimme Phase durchmachten oder sich vielleicht nur ausprobieren wollten und jetzt garantiert nichts mehr mit New Vomit zu tun haben, der irrt: Karla und Latifa sind immer noch im Geschäft. Und sie werden auch noch als die "besten Schauspielerinnen" der Seite NEWMFX betitelt.

2 Girls 1 Cup war also offensichtlich nicht der Höhepunkt, nicht das schlimmste, außergewöhnlichste Video aus dem Fetisch-Kosmos rund um Ausscheidungen, es markiert bloß den Moment, in dem das Internet kollektiv entschieden hat, es wäre Zeit, mal kurz ins brasilianische Badezimmer zu linsen. Für alle, deren Leben nachhaltig vom Clip geprägt wurde, gibt es zumindest eine beruhigende Nachricht: Vielleicht – das geht aus den Aussagen von Fiorito beim Prozess gegen seinen Geschäftspartner Croce hervor – aßen Karla und Latifa gar keine Fäkalien im Video: "Ich habe schon viele Fetischfilme mit Schokolade statt mit Fäkalien gemacht. Viele Darsteller spielen in Scat-Filmen mit, aber lassen sich vertraglich zusichern, keine Fäkalien essen zu müssen." Ob das aber auch für Karla und Latifa gilt, ist nicht so ganz klar.