Die besten Tipps für Pokémon Go von erfahrenen Augmented Reality-Gamern

Wer früher einmal Ingress gespielt hat, ist bei der Jagd nach den Pokémon klar im Vorteil.

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Juli 12 2016, 11:41am

Bild: Philipp Steuer/Twitter

Bild: Philipp Steuer/Twitter

Seit nunmehr sechs Tagen sind Pokémon-Jäger auf Deutschlands Straßen unterwegs, um mit ihrem Smartphone die kleinen Augmented-Reality-Monster einzufangen. Während das Spiel ohne Vorankündigung zunächst in den App Stores Australiens, Neuseelands und der USA verfügbar gemacht wurde, warten deutsche Zocker allerdings noch immer ungeduldig auf einen offiziellen Release, der aufgrund der entsprechenden Server-Auslastung noch einmal verschoben wurde.

Wer sich dank diverser technischer Kniffe Pokémon Go trotzdem schon für Android oder iPhone besorgt hat (Vorsicht bei der Installation der sogenannten APK-Dateien!), muss erst einmal alleine herausfinden, wie er die Monster-Jagd am besten startet. Denn bisher gibt es außer ein paar grundlegenden Tipps innerhalb der App von Professor Willow weit und breit kein offizielles Tutorial für das Spiel.

Natürlich kursieren aber in sozialen Netzwerken wie Facebook und Reddit schon massig Tipps aus erster Hand von erfahrenen GPS-Schnitzeljägern. Sie geben ihr Fachwissen aus anderen Augmented-Reality-Games wie zum Beispiel Ingress an die riesige Pokémon Go-Fangemeinde weiter, in der sich aufgrund der immensen Popularität des Spiels auch zahlreiche unerfahrene Gamer befinden dürften.

Wer nachladen kann, ist klar im Vorteil

Einer der größten Kritikpunkte an Pokémon Go ist schon nach wenigen Tagen der enorme Akkuverbrauch des Spiels, der vor allem aus der notwendigen Nutzung von Google Maps inkl. eingeschaltetem GPS sowie dem häufigen Gebrauch der Smartphone-Kamera und des WLANs resultiert.

Redditnutzer Davedamon, der laut eigenen Angaben über drei Jahre Ingress-Erfahrung verfügt, empfiehlt deshalb, stets ein externes Akku-Ladegerät mit auf die Pokémon-Jagd zu nehmen. Die sogenannten Powerbanks laden euren Akku jederzeit unterwegs per USB wieder auf. Die User Flucks und Davedamon erklären, gute Erfahrungen mit einer Powerbank von Anker mit einer Leistung von 20k mAh (Mili-Ampere-Stunden) gemacht zu haben. Alternativ könnt ihr euch natürlich auch einfach einen zweiten Akku für euer Smartphone besorgen, doch eine Powerbank verspricht deutlich mehr als eine mobile Akkuladung.

Energie sparen für die Schlacht

In eine andere Kerbe schläg Nutzer throwaway96388 und gibt—ebenfalls auf Reddit—Tipps, wie man seinen Akku von vornherein weniger beansprucht. Und zwar könne man den mobilen Datenverkehr fast um die Hälfte senken, wenn man sich zuhause über WLAN die Google Maps-Karten für seine Stadt in den Offline-Modus herunterlädt, bevor man zur Pokémon-Jagd aufbricht.

Auch das Herunterstellen der Helligkeit eures Smartphones trägt natürlich zur längeren Lebensdauer des Akkus bei und unnötige Hintergrund-Apps sollte man während der Pokémon-Jagd ebenfalls schließen. Auch das WLAN muss nicht zwangsläufig permanent eingeschaltet sein, auch wenn es natürlich seinen Dienst zur akkuraten Standortberechnung beiträgt.

Davedamon empfiehlt aber, die akkufreundlichere mobile Datenverbindung einzuschalten und sich—sofern man ein Android-Gerät sein Eigen nennt—die App GPS Status & Toolbox zu installieren, welche WLAN-unabhängig für akkurate GPS-Dienste des Smartphones sorgt.

Pokémon fangen, ohne das Sofa zu verlassen, geht auch ganz legal

Soweit also die wichtigsten Vorkehrungen, die ihr treffen könnt, bevor es überhaupt so richtig los geht. Als nächstes musst ihr nun auf die Straße, um eure ersten Pokémon zu finden und hoffentlich zu fangen.

Aber Moment: Einige besonders faule Pokémon-Gamer haben natürlich bereits jetzt schon einen nicht ganz legalen Workaround gefunden, wie man die kleinen Monster vom heimischen Sofa aus fängt. Mit etwas technischem Know-How, welches leicht zu ergooglen ist, kann man seine GPS-Daten mit Hilfe eines sogenannten GPS-Spoofers so manipulieren, dass man im Prinzip nicht mehr das Haus verlassen muss, um Pokémon einzufangen oder gar Arenen einzunehmen. Dass diese Methode nicht nur ziemlich unfair anderen Spielern gegenüber ist und den Multiplayer-Charakter des Spiels herabwürdigt, sondern auch zu ernsthaften Konsequenzen führen kann, betont Redditor Davedamon:

„Zu Spoofen bedeutet zu cheaten und verstößt gegen die Nutzungsbedingungen. Es wird wahrscheinlich dazu führen, dass ihr von Niantic gesperrt werdet und all euren Spielfortschritt verliert. [...] Spoofer sind in Ingress dafür bekannt, die harte Arbeit anderer Spieler zu ruinieren und werden geächtet."

Ob Niantic bereits tatsächlich Spieler, die sich per GPS-Spoofing einen Vorteil verschafft haben, gesperrt hat, ist unklar. Ein weiterer Redditor behauptet allerdings, mit einem Wegwerf-Account bewusst einen sogeannten Soft Ban, der zeitlich beschränkte Gültigkeit hat, von Niantic provoziert zu haben:

„Ich weiß, es ist offensichtlich, aber Pokémon Go hat ein eingebautes Anti-Spoofing-System. Die meisten [Android-]Apps [zum Spoofen] werden nicht funktionieren und Rooting führt zu einem Ban.

Folgendes passiert, wenn du gesperrt wirst: 1. Du bekommst an den PokéStops keine Items mehr. 2. Du kannst keine Pokémon mehr fangen.[...] 3. Du kannst nicht mehr kämpfen und keine Arena mehr einnehmen.", erzählt der Nutzer hier.

Dass das Spoofing es manchen Spielern, die in abgeschiedenen ländlichen Gegenden wohnen, überhaupt erst ermöglicht, Pokémon Go so richtig zu genießen, ist ein anderes Thema. Niantic hat in seinen Guidelines jedenfalls klar gemacht: Cheating jeglicher Art ist verboten—und Niantic hat in der Vergangenheit bei dem AR-Game Ingress bewiesen, dass man nicht zimperlich bei der Durchsetzung dieser Regel ist.

Die Standortprobleme beginnen bei dir zuhause

Nachdem ihr euch die App heruntergeladen und Pokémon Go installiert habt, kann es sein, dass ihr erstmal folgende Fehlermeldung bekommt: „Standort konnte nicht geortet werden". Chip.de hat aufgeschrieben, wie man diesen Android-„Bug" umgeht und trotzdem loslegen kann.

Zunächst könnt ihr euch euren Avatar aussuchen und optisch gestalten und schon geht es raus auf die Straße. Ihr seht euren Avatar in einer virtuellen Umgebung, deren Infrastruktur auf den Daten von Google Maps basiert. Aktiviert ihr den Augmented Reality-Modus und damit eure Smartphone-Kamera, seht ihr statt der Karte eure reale Umgebung.

Die Pokémon werden von der App dann als 3D-Rendering über diese Umgebung gelegt und werfen sogar einen virtuellen Schatten auf das Bild, das eure Kamera aufzeichnet. Einige Redditor empfehlen, den Augmented-Reality-Modus nur sparsam zu nutzen, da er sehr viel Akku beansprucht, zum erfolgreichen Spielen aber nicht zwingend benötigt wird. Es bleibt somit jedem Spieler selbst überlassen, ob ihm die grafisch ansprechende Einbindung der Pokémon in ein reelles Abbild seiner Umgebung mehr wert ist als eine lange Akkulaufzeit, um im Spiel möglichst schnell voranzukommen.

Wie ihr euch am schnellsten ein Pokémon schnappt

Es werden fortan verschiedene Symbole euren Weg kreuzen. Hinter einem virtuellen Büschel raschelnden Grases zum Beispiel verbirgt sich möglicherweise ein Pokémon. Um herauszufinden, ob das tatsächlich der Fall ist, müsst ihr mit dem Smartphone in der Hand zu der auf der Karte bzw. in der Umgebung angezeigten Stelle laufen.

Sobald ihr nahe genug gekommen seid, um ein Pokémon fangen zu können, wird dieses eingekreist und ihr habt drei Versuche, es mit einem Pokéball zu treffen. Mittlerweile haben einige Gamer übrigens damit begonnen, auf Google Maps eine Deutschlandkarte zu befüllen, die anzeigt, welches Pokémon man wo findet.

Von Bedeutung sind außerdem die sogenannten PokéStops. Hier könnt ihr euch mit allerhand Nützlichem, wie zum Beispiel Pokébällen (mit denen ihr die Pokémon fangt) versorgen. Das Symbol der PokéStops ist ein blaues Kreis-Symbol, und sie finden sich meist an prägnanten physischen Orten in der Stadt verteilt, zum Beispiel Denkmälern, Sehenswürdigkeiten oder auch an einem auffälligen Graffiti.

Mit dem richtigen Riecher zum PokéStop

Diese Tatsache liegt darin begründet, dass wohl viele PokéStops aus dem Spiel Ingress übernommen wurden, wie Spieler beobachtet haben wollen. In Ingress war es den Zockern noch selbst möglich, derartige Orte anzulegen und sie als Portale selber vorzuschlagen, an denen gekämpft wurde. Aufgrund der hohen Anzahl an Einsendungen, biete Niantic dieses Feature bei Pokémon Go nicht mehr an, wie Davedamon erläutert.

Wer allerdings bereits Portale von Ingress kennt, findet an denselben Orten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch PokéStops und sogenannte PokéGyms vor. In Ingress bietet sich die Möglichkeit auf einer auf Google Maps basierenden Karte nach solchen Portalen zu suchen. Ein Blick darauf könnte eure Chancen beim Besorgen von Nachschub in Pokémon Go also durchaus erhöhen.

PokéGyms sind grau symbolisiert, wenn sie unbesetzt sind, rot, gelb oder blau, wenn sie von einem Team eingenommen wurden. Sie werden auch als Arenen bezeichnet, weil ihr hier eure Pokémon gegen die von anderen Spielern antreten lassen könnt—allerdings erst ab Level 5, welches ihr durch das Sammeln von Pokémon erreicht. Meistens befinden sich diese jedoch nicht in eurer unmittelbaren Nähe, sondern ihr müsst eine größere Distanz zurücklegen.

Pokémons auf der Autofahrt einzusammeln, ist keine Abkürzung

Wer nun die geniale Idee hat, sich per Bus oder Bahn durch die Stadt zu bewegen oder sich gar selbst ans Steuer zu setzen, um schneller Pokémon einsammeln und die Arenen erreichen zu können, dem sei von Davedamon Folgendes mit auf den Weg gegeben: „Pokémon Go auf dem Fahrrad zu spielen, ist okay, aber auch hier gilt: Gebt acht, was ihr tut. Bei Ingress ist [das Spielen auf dem Fahrrad] ziemlich verbreitet und als 'Bikegressing' bekannt. Es ist unwahrscheinlich, dass ihr so den Speed Limiter auslöst."

Davedamon bezieht sich damit auf eine Mechanik, die Niantic in „Ingress" eingebaut hatte, um zu verhindern, dass sich Spieler beispielsweise im Auto zu schnell von Ort zu Ort bewegen und sich so einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Wer bei Ingress eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit überschreitet, bekomme deshalb einen „soft ban" und werde für eine begrenzte Zeit für weitere Aktionen gesperrt.

Allerdings ist bisher unklar, inwiefern eine solche Geschwindigkeitsschranke auch in Pokémon Go greift und so erklärt Davedamon in einem Update seines Posts, dass sie hier anscheinend wesentlich großzügiger gestaltet sei und nur auf das Ausbrüten eines Ei angewendet werden. Um ein Ei, welches man in einem PokéStop bekommt, auszubrüten und somit ein neues Pokémon zu besitzen, ist es nämlich notwendig, um eine bestimmte Distanz zu Fuß zurückzulegen.

Mal davon abgesehen, ob ihr euch jetzt auf dem Fahrrad oder zu Fuß durch die Stadt bewegt, werdet ihr früher oder später auf andere Gamer treffen. Seid ihr schneller als eure Konkurrenten an einem Gym, könnt ihr eines eurer Pokémon abstellen, um die Arena zu besetzen und gegen Eindringlinge zu verteidigen.

Der Glücksfall für Faule

Ab und zu befinden sich Arenen tatsächlich in Privathäusern, wie zum Beispiel bei diesem Designer, der in einer alten, umgebauten Kirche wohnt und nun allerhand (unerwünschten) Besuch von Pokémon-Jägern bekommt. Seid also etwas vorsichtig, bevor ihr im Jagdrausch fremde Vorgärten entert und dort für Ungemach sorgt—eventuell ist es besser, zum nächsten Pokéstop weiterzuziehen. Vor allem, wenn ihr in einer größeren Stadt wohnt, kann es natürlich auch sein, dass sich ein Pokestop oder eine Arena in eurem Haus oder in unmittelbarer Nähe befindet. In diesem Fall braucht ihr tatsächlich nicht cheaten, um ein Pokémon auf der heimischen Toilette zu fangen. Seid nett zu den merkwürdig in der Gegend rumstehenden Personen vor eurem Haus. Sie könnten schon bald zu eurem Team gehören und mit euch gemeinsam eine neue Arena einnehmen.