Physiker haben ein Wurmloch aus Magnetfeldern erschaffen

Schon wieder wurde eine Star-Trek-Utopie Wirklichkeit.

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Aug. 25 2015, 8:22am

Bild: Pixabay, PeteLinforth | Public Domain

Wurmlöcher werden in Science-Fiction-Geschichten gerne als futuristische Schnellstraßen benutzt, wenn die Handlung noch einigermaßen fundiert bleiben soll. Natürlich macht sich auch das um möglichst hohe wissenschaftliche Korrektheit bemühte Star-Trek-Universum dieses Phänomen zu nutze—und liefert sogar im eigenen Wiki allerhand Science-Fiction-gestützte Hintergründe zum Wurmloch.

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Doch Star Trek hat mal wieder erfolgreich bewiesen, dass es nicht nur den 3D-Drucker alias Replikator oder das Handy aka Kommunikator vorhergesehen hat, nein, Physikern von der Autonomen Universität Barcelona gelang es nun erstmalig, auch ein reales Wurmloch zu erschaffen.

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Bei Wurmlöchern handelt es sich um Durchgänge im Weltraum, die auf direktem Weg zu einem völlig anderen Ort im selben Universum führen. Und das Wurmloch trägt seinen Namen nicht zufällig. Die namensgebende Metapher beschreibt das kosmische Phänomen anhand eines niedlichen Beispiels aus der Natur schon relativ genau: Vergleichbar mit dem Weg eines Wurms durch einen Apfel, verbindet ein Wurmloch zwei Seiten bzw. Oberflächen ein und desselben Raums.

Bild: Jordi Prat-Camps, Universitat Autònoma de Barcelona | Mit freundlicher Genehmigung

Nun ist es den Physikern gelungen, erstmals ein magnetisches Feld an einem Ort verschwinden und an einem anderen wieder auftauchen zu lassen. Es war durch eine Art unsichtbaren, künstlich erzeugten Tunnel gereist. „Aus einem magnetischen Blickwinkel verhält es sich wie ein Wurmloch, so als wäre das Magnetfeld durch eine andere Dimension hindurchgeführt worden", erklärt der Co-Autor der Studie, Jordi Prat-Camps.

Für die Erschaffung des Magnetfeld-Wurmlochs erstellten die Physiker ein dreischichtiges Objekt, welches aus zwei konzentrischen Sphären (zwei Kugeln mit gleichen Mittelpunkt, aber unterschiedlichen Radien) und einem Spiralzylinder im Inneren bestand. Der Zylinder war aus ferromagnetischem Mu-Metall, welches einen besonders starken Magnetismus aufweist; diese Materialien werden oft zur Abschirmung elektronischer Geräte genutzt.

Folgende Grafiken verdeutlichen den Aufbau des Wurmlochs:

Bild: Jordi Prat-Camps, Universitat Autònoma de Barcelona | Mit freundlicher Genehmigun

(a) Das Feld der magnetischen Quelle (rechts) erscheint bei seiner Passage durch das magnetostatische Wurmloch als ein isolierter magnetischer Monopol. Der gesamte sphärische Versuchsaufbau weist keinerlei Magnetismus auf. (b) Das Wurmloch besteht (von links nach rechts) aus einer äußeren sphärischen ferromagnetischen Metaoberfläche, einer sphärischen supraleitenden Schicht und einer inneren, ferromagnetisch umwickelten Spirale.

Aus magnetischer Sicht sieht das Phänomen also folgendermaßen aus:

Bild: Jordi Prat-Camps, Universitat Autònoma de Barcelona | Mit freundlicher Genehmigung

Von der künstlichen Erzeugung eines magnetischen Wurmlochs auf der Erde zur insterstellaren Wurmlochreise durch's Universum ist es allerdings noch ein weiter Weg und wir werden vorerst noch keine magischen Weltraumpforten durchqueren. Doch der Grundstein ist gelegt und die neuen Erkenntnisse bieten bereits jetzt faszinierende Errungenschaften für die Wissenschaft.

Es ließe sich beispielsweise die Magnetresonanztomographie (MRT) um einiges angenehmer gestalten. Die Patienten müssten nicht mehr in die klaustrophobische Röhre geschoben werden, stattdessen ließen sich die Bilder mit einem starken Magneten aus einer gewissen Entfernung aufnehmen.

Wir sind gespannt, welches Star-Trek-Phänomen als nächstes in unseren Alltag eindringen wird.