Mit Robo-Interface und Oculus Rift zum authentischen Virtual-Reality-Sex

Wir hatten das noch eher zweifelhafte Vergnügen das neueste Gerät von Tenga, dem japanischen Hersteller für Sexspielzeug für Männer, zu testen.

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Feb. 17 2014, 12:37pm

Unser geschätzter Motherboard Kollege Dan Stuckey, hat dank Roboterunterstützung virtuellen Sex—zumindest ein bisschen. Bild: Brian Merchant. (Facebook-Titelbild Bildschirmfoto Screenshot via)

Tenga ist bisher vor allem als japanischer Hersteller von männlichem Einweg-Sexspielzeug aufgefallen. Sie stellen zum Beispiel zylindrische „Masturbationshilfen" her, die nicht ganz so abstossend wirken wie die Travel Pussy, die du dir entlang deutscher Autobahnen aus Automaten ziehen kannst—wahrscheinlich vor allem, weil du sie dir nicht auf Rasthöfen besorgst. Tenga bewirbt aber inzwischen auch ein neues Produkt, was nicht weniger ist als eine Mischung aus Software und Robotik—die wohl dem Gefühl physischen Sex mit einem Videospiel zu haben so nah wie kaum etwas anderes kommen dürfte.

Im vergangenen Winter gab Tenga bei einer Technologiekonferenz schon einmal einen Vorgeschmack. Damals durften einige Freiwillige an einer Simulation teilhaben, bei der ihnen sexuelle Gefälligkeiten von einem Anime-Charakter mittels eine virtuelle Datenbrille zuteil wurden. Seit dem hat die Firma ihre Software und die Graphik des Simulators weiterentwickelt und bewirbt nun noch freudiger den roboter-unterstützten virtuellen Sex.

„Ich glaube in Zukunft wird virtueller Sex realer sein als tatsächlicher Sex", sagte mir Tsuneki Sato, der Geschäftsführer von Tenga. Er war so freundlich und ist im Hauptquartier von Motherboard in New York vorbeigekommen, um den geschätzten Kollegen und Kolleginnen „die Zukunft der Masturbation"—wie er sich auszudrücken pflegte—zu demonstrieren. „Das ist unser Slogan."

Sobald wir uns zusammen gesetzt hatten, nötigte mich Tsuneki auch schon die Virtual-Reality-Brille aufzusetzen, durch die sich mir ein über ein Bett gebückter weiblicher Avatar präsentierte—und der ausladende Anblick einer computergenerierten Welt, die mir bisher vor allem aus Ego-Shootern bekannt war. Instinktiv riss ich mir die Brille vom Kopf, und schaute mich verstört um.

Die Tenga Mitarbeiter lachten nur, empfahlen mir fortzufahren und manövrierten den Roboterarm auf die Höhe meines Beckens. Wenn ich den Arm mit meiner Hüfte berührte, dann reagierte der phallische Kegel und schob sich nach innen. Die Maschine wiederum antwortete auf die Aktionen auf dem Bildschirm und generierte einen gewissen Druck.

Das ganze war eher unheimlich als erotisch. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass ich am helllichten Tag und in Sichtweite der Lobby des VICE Büros meinen Unterleib blindlings in Richtung einer roten Röhre schob. Natürlich wurden wir schnell von einer steigenden Anzahl von Zaungästen beobachtet, die zu mir mit staunenden Gesichtern herüber schauten. Es war ein besondere Art der Peinlichkeit, die ich gerne für euch liebe Leser erlitten habe, da ihr doch nur den besten und authentischsten Robo-Sex-Journalismus verdient. Ich könnte mir aber niemals vorstellen, dass mich dieses Gerät anmachen würde. Aber scheinbar gibt es einen Haufen von Leuten da draussen, die auf Hentai stehen, und für die ist diese Maschine tatsächlich nicht weit von der Erfüllung all ihrer verpixelten Cyberfantasien entfernt.

Und so funktioniert der Apparat: Die Software für Tenga wurde von dem japanischen Erotikspielehersteller Illusion speziell auf Oculus Rift entwickelt. Als spezielles Interface dient der Novint Falcon, eine haitische Alternative zur Mouse, die insbesondere unter Videospielern beliebt ist, da sie auf das Feuern in Ego-Shootern reagiert.

Warum Tenga auf den Falcon zurückgreift, wird schnell deutlich. Das Gerät hat abnehmbare Griffe an denen sich der Nutzer festhält, um den Falcon zu kontrollieren. Die Bewegungen der Griffsteuerung durch den Nutzer werden von der Software des Falcon verfolgt, die auch Kräfte kreiert, die der Nutzer fühlen kann, in dem der Motor des Apparats mit entsprechenden Spannungen gesteuert wird. Wenn du also deine Hand an dem Griff anlegst, wird der Falcon entsprechend reagieren—und zwar in einer Präzision die noch höher als eine mitlimetergenaue Auflösung ist. Der Motor unterdessen aktualisiert die Bewegung 1000 Mal pro Sekunde (also mit 1 kHz) und vermittelt so einen realistischeren Tastsinn. Die Oberfläche virtueller Objekte fühlt sich solide an und kann detaillierte Texturen abbilden.

Und Tenga versucht dem Ausdruck „detaillierter Texturen", von dem Wikipedia in Bezug auf den Falcon spricht, eine ganz neue Bedeutung zu geben. Das Unternehmen hat seine Masturbationsapparatur so entwickelt, dass sie durch die Klauen des Falcon am richtigen Ort gehalten wird. Anschließend haben sie ihre Software so programmiert, dass sie auf die Sexsimulation auf dem Bildschirm reagiert. Das „Spiel" besteht aus einer 3D-gerechneten Dame im Schulmädchen-Outfit, die sich entweder über ein Bett bückt oder vor dem „Spieler" kniet. So wie sich der Avatar in der virtuellen Realität bewegt, so bewegt sich auch der Falcon—und die Tenga-Sexröhre. Wie du dir vorstellen kannst, sind Klamotten in der virtuellen Realität natürlich nur optional.

Und nein, ich habe die Vorrichtung nicht wirklich so erprobt wie es eigentlich gedacht war. Ich habe höchstens zögerlich die Reaktionsfähigkeit der Maschine ausprobiert, während Kollege Dan Stuckey als Versuchskanninchen durchaus länger mit dem Tenga herum experimentierte, wie du an den Bilder sehen kannst. Dan hat auch das Team gefragt, warum denn das Mädchen so traurig aussähe, aber sie haben nicht reagiert.

Und er hat Recht. Das beängstigendste an diesem Ding war nicht einmal die automatisiere Masturbation, sondern die melancholisch Unterwürfigkeit des dazu dargestellten Avatars. Ich fühlte durchaus Empathie mit dem computergenerierten Charakter, aber vermutlich nicht auf die Art und Weise, wie es eigentlich gedacht war.

Zumindest im Bezug auf den Funktionsumfang hilt das Gerät was es verspricht. Der Roboter-Sex-Arm synchronisierte sich präzise mit dem virtuellen Sex-Arm auf dem Bildschirm.

„Die physikalischen Abmessungen des Tenga waren schmal, was mit dem Avatar, den ich virtuell gefickt habe, kompatibel war," wie uns Dan berichtete. „Ich frage mich, ob du auf diesen einen Controller beschränkt bist. Was, wenn ich an jemand anderem interessiert bin?"

Dennoch ist es nicht schwer, sich eine Zukunft vorzustellen, in der auch die vielen noch offenen Fragen angegangen werden und diese Art von Dingen nahtloser funktionieren.

„Er brauchte dafür nur zwei Tage," sagte Sato, über den Illusions-Entwickler, Naoyuki Ootsuru, der mitgekommen war, um uns begeistert die neue Technologie zu präsentieren. „Besser als Fleshlight. Präziser und sehr einfach. In der Zukunft will ich es mit tatsächlichen Damen verbinden, so dass sich der Dildo genauer bewegt." Tenga und Illusion stecken große Hoffnungen in roboterassistierten virtuellen Sex, von dem sie glauben, dass er schon bald zu einer normalen und nicht stigmatisierten Praxis werden wird. 

„Ich glaube, dass männliche Masturbation ein Tabu ist," sagte Sato. „Das wollen wir normalisieren, deshalb haben wir die Design Features dafür entwickelt." Die beiden können sich auch vorstellen, dass der virtuelle Sex Apparat zu einer öffentlichen Dienstleistung werden kann. Ootsuru möchte es gerne als Ventil für Behinderte fördern. „Behinderte haben weniger Zugang zu Sex. Dieser Apparat könnte ihnen helfen," sagte er.

Momentan ist der Apparat aber nur eine DIY-Aufrüstung, die von einem Falcon-Modell abhängig ist, das es nicht einmal mehr auf dem Markt gibt. Auch wenn Ootsaru nach einem Ersatz sucht, ist es unwahrscheinlich, dass solch ein Apparat bald je wieder auf den Markt kommt.

Es sollte auch erwähnt werden, dass nicht alle von der Zukunft des virtuellen Reality Sex überzeugt sind. Ich fragte Allan Evans von Avegant, der einen Oculus Rift Konkurrenten entwickelt, welcher Bilder direkt auf die Netzhaut strahlt, ob er glaubt, dass Menschen vielleicht seine Plattform nutzen wollen, um die Qualität vom virtuellem Sex zu verbessern. „Wir werden darauf verzichten, irgendwelche Elemente aus der Porno-Industrie zu unterstützen," sagte er mir eindeutig. „Wir sind nicht dafür da, um die Erotikbranche zu fördern."

Die kurze Begegnung mit Tenga hat mir gereicht, um einen Blick auf die Zukunft der Onanie zu bekommen. Die ansprechende virtuelle Technologie ist nicht ausschließlich für Allein-Nutzer. Die Sex-Technologie-Branche nimmt langsam Fahrt auf und die im englischen so schön als Teledildonics beschriebenen Geräte, die Fern-Sex-Interaktionen ermöglichen, gewinnen mehr und mehr Marktanteile. Und eine Firma names FriXion arbeitet daran „eine Online-Community zu erstellen, die es den Nutzern ermöglicht, sich gegenseitig mit der Hilfe von Geräten zu berühren. Das kann Händchenhalten oder Küssen sein, aber auch richtiger Sex. Und das unabhängig davon, ob sich die beiden Menschen nur in anderen Räumen befinden, oder ein ganzer Ozean zwischen ihnen liegt."

Mittlerweile können Roboter-Gliedmaße menschliche Gliedmaßen simulieren, oder im Tandem mit ihnen arbeiten. Es wird immer einfacher, sich eine Welt vorzustellen, wo Menschen ihr Sexleben mit Roboterhilfen und virtuellen Avataren teilen; Haptik, Virtuelle Realität und Augmented-Reality-Plattformen, wie Google Glass, dürften unseren Sex nachhaltig verändern. Es dürfte durchaus möglich sein, einen virtuellen Dreier zu haben, auch wenn eine Person dabei gar nicht existiert.

Ootsaru hofft, dass der Markt für Oculus Rift-Software wächst, und er so mehrere und bessere virtuelle Sex-Inhalte entwickeln kann. Tenga jedenfalls wird ganz bestimmt dabei sein. „Sich mit diesen Jungs zusammenzuschließen, dass ist die Zukunft der Masturbation," sagte mir Tyuneki. „Oder sogar die Zukunft von Sex."