Die indische Polizei lässt Pfefferspray-Drohnen auf Demonstranten los

Mit Pfefferspray und Paintballs aus der Drohne können Demos sprichwörtlich gesprengt werden.

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09 April 2015, 8:46am

​Bild: imago/ Gene Blevins

​Seit es Menschen gibt, gibt es auch Überlegungen, wie sie am besten in Schach zu halten sind. Und da die Schäferhund-Taktik bei Personen leider nicht so elegant aussieht wie bei einer Herde Schafe, müssen die humanen Ordnungshüter kreativ werden. 

Die Polizei in Lucknow, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Uttar Pradesh, hat sich nun bewaffnete Drohnen besorgt und ist damit das erste öffentliche Organ, das offiziell in die Luftoffensive geht, wenn der geordnete Ablauf von Demonstrationen aus dem Ruder läuft.

„Wir haben fünf Kameradrohnen gekauft, die ein Gewicht von zwei Kilogramm heben können", zitiert die ​Times of India den Polizeipräsidenten Yashasvi Yadav. Doch obwohl die Copter zu großen Teilen für Luftaufnahmen eingesetzt werden sollen, sieht die Polizei auch die Einschüchterung ungeordneter Ansammlungen vor, wie Yadav erklärt: „Die Drohnen können einen widerspenstigen Mob auch mit Pfefferspray duschen, falls es irgendwelche Probleme geben sollte." Diese Methode sei „nicht so brutal wie ein Schlagstock" bekräftigte er gegenüber der ​BBC.

Innerhalb eines Radius von einem Kilometer können die fünf Neuerwerbungen von einer zentralen Station gesteuert werden und bis zu 600 Meter über dem Boden schweben.

Nachdem bei Ausschreitungen im vergangenen Jahr drei Menschen starben und zwölf verletzt wurden, rüstete die Polizei in Lucknow auf die Luftüberwachung um. Schon 2014 traten die ersten kleineren Drohnen ihren Dienst an und schickten Bilder aus sensiblen Stadtteilen in die Zentrale. Auch in Deutschland beobachteten schon vor einigen Jahren Polizeidrohnen Demonstrationen ​wie beispielsweise den Castor-Transport. In Indien soll mit Hilfe der fliegenden Augen auch eine Observation und Verfolgung sonstiger Kriminalfälle erfolgen.

In jedem Falle haben sich die bisherigen Einsätze in Uttar Pradesh soweit bewährt, dass die indische Polizei nun nachlegt und sich offiziell Pfefferduschen anschafft. Welcher Fabrikation die neuen Fluggeräte sind, ist offiziell nicht bestätigt. Aufgrund ihres geringen Gewichtes handelt es sich jedoch wahrscheinlich um eine aufgerüstete Kameradrohne.

Doch die Möglichkeiten ausgefeilter Lufteinschüchterung können noch wesentlich eindrucksvoller sein. Eine lebhafte Vorstellung der Szenarien bieten zum Beispiel die ​Skunk-Drohnen des südafrikanischen Unternehmens Desert Wolf, welche eine Ladekapazität von 4000 Geschossen haben. Die vier leistungsstarken Paintballkanonen des Octa-Copters können in der Sekunde 20 Mal abfeuern und gleichzeitig lassen sich auch noch minütlich 80 Pfeffergeschosse in die Menge schießen.

Es gibt wenig gute Fotos des Skunk. Bisher ist das Gerät einfach zu geheim. Bild: Desert Wolf

Die Skunk-Drohne ist mit 37.000 Euro nicht billig, aber dafür ist das Ding noch mit Stroboskoplichtern, blendenden Lasern und Bordlautsprechern ausgerüstet. Der Copter kann als Einzelkämpfer oder auch als Geschwader von einer einzigen Person gesteuert werden. Und die Kameras des Skunk Riot Control Copters filmen natürlich nicht nur am Tag in hochauflösender Qualität sondern zeichnen des Nachts Thermobilder auf. So bleibt kein Bösewicht unentdeckt.

Doch in Indien ist die Drohnen-Militärisierung zum Glück noch nicht ganz so weit  fortschritten und die Fähigkeiten der Geräte sind nicht ganz so opulent. „Der Skunk Riot Control Copter ist viel größer und schwerer als die indische Variante. Das sieht man sofort, dass die nicht von uns sein können", erzählte mir Hennie Kieser von Desert Wolf am Telefon.

Angeblich wurden 2014 Desert Wolf-Exemplare nach Südafrika und in die Türkei verschickt, mit Informationen über Einsätze und weitere Kunden halten sich die Hersteller jedoch bedeckt. Mir gegenüber bestätigte Kieser jedoch, dass sich seine Firma keine Sorgen über eine mangelnde Nachfrage zu machen brauche. „Wir verschicken die Drohne in die ganze Welt."

„Wenn du eine richtige Desert Wolf-Skunk zu sehen bekommst weißt du, dass das kein Spielzeug ist", erklärt mir Kieser noch den Unterschied zu einer Hobbydrohne (und wohl auch zu dem indischen Gerät). Ob das nun beruhigend ist?