Was steckt hinter den mysteriösen Spotify-Codes, die gerade in Call of Duty entdeckt wurden?

Das Geheimnis um die Tonspuren der französischen Resistance und unentschlüsselte Morsecodes konnte bisher niemand lösen.

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29 August 2017, 9:54am

Bild: Activision, PrestigeIsKey

Über eine Million Abonnenten warteten am vergangenen Montag gebannt auf das neue Video des YouTubers PrestigeIsKey. Zwischen ausgebombten Bunkern, brennenden Nazi-Soldaten und dem ganz normalen Chaos einer Runde Call of Duty entdeckte der YouTuber etwas, was so gar nicht ins Szenario des Zweiten Weltkriegs passt: Spotify-Codes.

Die Codes, mit denen Spotify es normalerweise ermöglicht, Songs auf einfache Weise zu teilen, führen direkt zu merkwürdigen Tonbandaufzeichnungen, die auf Spotify abgespielt werden. Die Call of Duty Community rätselt wie verrückt, doch bisher steht nur eins fest: Es geht um einen Tiger am Wasserloch, Leopardenflecken im Zug – und die französische Resistance.

Plötzlich tauchen Spotify-Codes auf

PrestigeIsKey gilt seit Jahren als eine der wichtigsten Stimmen innerhalb der Call of Duty-Szene. Seine Fans waren deshalb so gespannt, weil PrestigeIsKey die exklusive Vorbesteller-Beta des neuen Call of Duty spielen durfte – und er hatte bereits angekündigt, ausführlich von seinen Eindrücken zu berichten.

Wie gut würde die Rückkehr der Serie in den Zweiten Weltkrieg funktionieren? Wie sehr nerven Sniper? Und kann Call of Duty ohne Cyborgs und Jetpacks wieder Spaß machen? Doch ein überraschender Fund sollte ihn und seine Zuschauer vor ganz andere Frage stellen.

Denn als PrestigeIsKey dann die Beta des Shooters Call of Duty: WW2 zockte, fielen dem YouTuber während der Feuergefechte zufällig drei seltsame Plaketten auf. Sie waren in den Häusern und Bunkern der verschiedenen Level versteckt und zeigten eine Art Kodierung an. Er scannte den Strichcode auf gut Glück mit einigen Apps – bis er schließlich ausgerechnet mit Spotify Erfolg hatte.

Anscheinend zeigen die versteckten Plaketten eine Wellenform, die Spotify dazu benutzt, um Songs leichter teilbar zu machen. Die Codes führten ihn dann zu drei MP3-Dateien mit den Titeln "Intercept Able", "Intercept Baker" und "Intercept Charlie". Sie sind jeweils nur wenige Sekunden lang.

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"Intercept Able" enthält die Tonspur einer Frau, die auf Englisch, aber mit starkem französischem Akzent, spricht:

"Achtung, Achtung. Wir, die wohlhabend sind, müssen alle Verbindungen abbrechen. Ich wiederhole: Wir, die wohlhabend sind, müssen alle Verbindungen abbrechen. Wenn Sie diese Übertragung hören können, antworten Sie bitte. Die Flecken des Leoparden sind jetzt in Bewegung. Lang lebe die Resistance!"

Die zweite Aufnahme "Intercept Baker" scheint eine direkte Antwort auf "Intercept Able" zu sein, auch wenn die starken Störgeräusche einige Worte unhörbar machen:

"Botschaft erhalten, (...) brechen alle Verbindungen ab. Erbitten Rat für unsere Mission. Konzentration auf die Ohren und Augen des Tigers oder auf seine Streifen."

Die dritte Aufnahme "Intercept Charlie" schließlich lässt erneut eine Frau zu Wort kommen: "Alle Flecken sollten die Streifen anvisieren. Berichte melden, dass Tiger am verwundbarsten sind, wenn sie Wasser trinken. Alle, die wohlhabend sind, sollen ihre Verbindungen abbrechen. Von jetzt an bis der Leopard erwacht – wir kämpfen zusammen. Für das Vaterland. Für die Welt."

Was bedeuten die mysteriösen Morsecodes?

Für den YouTuber PrestigeIsKey steht nach Anhören der Aufnahmen eines fest: Die Botschaften stammen aus der Zeit der französischen Resistance, die im besetzten Frankreich der 1940er Jahre den Widerstand gegen die Nazis organisierte – und damit liegt er sicherlich richtig.

Mit etwas Recherche lassen sich darüber hinaus zumindest einige Teile der Botschaften entschlüsseln: Der Mann in der zweiten Aufnahme fragt um Rat, an welchen Stellen die Panzerung des deutschen Tiger-Panzers am schwächsten sei – am Geschützturm ("Ohren und Augen") oder an den Seiten ("Streifen"). Als Antwort erhält er in der dritten Aufnahme die Information, dass der Panzer am verwundbarsten sei, wenn er gerade betankt werde ("wenn sie Wasser trinken").

Die "Flecken des Leoparden" scheint der Deckname der Resistance-Mitglieder zu sein, die sich laut "Intercept Able" immer wieder in Bewegung befinden – womöglich eine Anspielung auf die Taktik der französischen Resistance, ihre Kommunikation während Zugfahrten zu erledigen, um so von deutschen Abhörgeräten schwerer geortet werden zu können.

Völlig rätselhaft hingegen sind bisher die drei unterschiedlichen Morsecodes, die am Ende jeder Spotify-Nachricht zu hören sind, aber von der Community bisher nicht entschlüsselt werden konnten. Dank der aufmerksamen Augen von PrestigeIsKey, der diese Schnitzeljagd mit seinem Video nun ins Rollen gebracht hat, versuchen sich mittlerweile aber immer mehr Spieler an des Rätsels Lösung. Bis jetzt ohne Erfolg.

Doch die Community des Shooters ist bekannt dafür, die Wahrheit hinter jedem Geheimnis zu finden, das die Entwickler nur allzu gerne in den verwinkelten Multiplayer-Karten verstecken. Es scheint also nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis das Community-Kollektiv auch das letzte Piepen entschlüsselt hat, bevor das Rätselraten in die zweite Runde geht.

Moment mal, eine zweite Runde? Es gibt noch mehr Rätsel?

Noch nicht, zumindest nicht, dass wir jetzt schon davon wüssten. Aber kommendes Wochenende findet die Beta ein zweites Mal statt und einige Spieler hoffen nun darauf, dass die Entwickler ihre Server bis dahin mit neuen Rätseln befüllen.


Bei Motherboard: Die Zukunft des Kiffens


Die Gamer drücken allerdings nicht unbedingt in erster Linie wegen ihrer Begeisterung an neuerer Geschichte die Daumen, sondern sehen die versteckten Nachrichten als exklusive Teaser für die noch nicht spielbare Kampagne von Call of Duty: WW2. Denn dass uns die Story, die wir ganz klassisch als amerikanischer Soldat durchspielen werden, auch zum französischen Widerstand führen wird, ist bereits bekannt – was die Spieler dort allerdings genau erwartet, sollen nun hoffentlich die mysteriösen Spotfiy-Codes aus der Beta verraten.

Denn auch wenn die Entwickler keine neuen Codes mehr unter Nazi-Bettdecken und in Küchenschränken verstecken sollten, hat die Community bereits viel gewonnen: Das Abenteuer einer gemeinsamen Schnitzeljagd, eine Auffrischung im Morse-Alphabet und nicht zuletzt die Erinnerung daran, dass die Spotify-App eine Scan-Funktion hat, die selbst virtuellen Weltkriegsstaub durchdringen kann.

In diesem Sinne: - .... .- -. -.- ... / ..-. --- .-. / .-. . .- -.. .. -. --.