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Team Trump

Was Trump mit der Pornoindustrie vorhat

Trotz Trumps persönlicher Vergangenheit könnte sein Kabinett der Erwachsenenunterhaltung an die Wäsche gehen.

Lux Alptraum

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Bild: Imago

Seit Donald Trumps Wahlsieg scheint nichts mehr sicher zu sein. Die Spekulationen über die Konsequenzen seiner künftigen politischen Entscheidungen sind zahlreich: Von katastrophalen Auswirkungen auf den Klimawandel bis hin zur NSA als persönliches Spionage-Tool ist die Rede. Jedoch werden sich wohl die wenigsten darüber Gedanken gemacht haben, dass die Trump-Regierung auch der Pornoindustrie an die Wäsche gehen könnte. Sicherlich wird der Mann, der selbst in einem Soft-Porno auftrat, das Cover des Playboys schmückte und mit einem ehemaligen Nacktmodel verheiratet ist, kein Gegner der gepflegten Erwachsenenunterhaltung sein. Oder etwa doch?

Zugegeben, während seines Wahlkampfes erklärten die Republikaner Pornos zu einer „öffentlichen Gesundheitskrise" und Trump gab das Versprechen ab, den Zugang zu Pornografie stärker zu kontrollieren. Beobachter taten dieses Verhalten jedoch lediglich als plumpen Stimmenfang ab. Auch noch kurz nach der Wahl versicherte ein erfahrener Anwalt gegenüber Motherboard, dass die Trump-Regierung keinesfalls die US-amerikanische Pornoindustrie ins Visier nehmen würde.

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Allerdings hat Trump in den letzten Monaten seine Unberechenbarkeit mehrfach unter Beweis gestellt. Äußerungen, die er voller Überzeugung abgab, wurden am nächsten Tag wieder über den Haufen geworfen. Somit ist es vielleicht nicht die beste Taktik, die Haltung von Trumps künftiger Regierung an früheren Aussagen des Geschäftsmannes festzumachen. Denn wie auch immer die Privatperson Donald Trump zu Pornos stehen mag: Seine persönliche Meinung entspricht nicht automatisch seiner politischen Vorgehensweise. Außerdem lassen die Menschen, aus denen Trump seine Regierung bilden möchte, nichts Gutes für das Porno-Business erahnen.

Am meisten sticht dabei der designierte Vize-Präsident Mike Pence hervor, der auch Trumps Übergangsteam leitet. Der evangelikale Christ, der Anfang des Jahres eines der strengsten Anti-Abtreibungsgesetze der USA abzeichnete, versuchte bereits während seiner Zeit im Kongress, der Pornografie auf den Leib zu rücken: Er schlug eine Verschärfung des Kinderschutzgesetzes „2257 Regulations" vor, der die Mitwirkenden sämtlicher Produktionen mit simulierten Sex-Szenen—egal ob Buch, Fernsehserie oder Hollywood-Film—dazu verpflichten sollte, dieselben strengen Auflagen wie Pornoproduktionen zu erfüllen.

Mike Pence ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Zu Trumps Übergangsteam gehören außerdem Edwin Meese, der bereits vor 30 Jahren versuchte, mit dem berühmt berüchtigten Meese Report hart gegen die Pornoindustrie vorzugehen, und Ken Blackwell vom Family Research Council. Beide haben sich in der Vergangenheit für die Zensur von Pornografie eingesetzt. Und natürlich ist da auch Rudy Giuliani, der einen Großteil seiner Amtszeit als New Yorker Bürgermeister damit verbrachte, den Times Square von allen Sex-Kinos zu säubern. „Man braucht einfach nur nach dem Namen einer beliebigen Person, die dem Übergangsteam angehört oder als Kabinettsmitglied im Gespräch ist, in Kombination mit Pornografie suchen", sagt Michael Stabile, Kommunikationsdirektor für den Interessenverband der Erwachsenenunterhaltungsindustrie Free Speech Coalition. Das Ergebnis dieser Schlagwortsuche sei niederschmetternd.

Somit sind die Aussichten für die Pornoindustrie unter Trumps Regierung nicht gerade rosig. Doch sollte das Trump-Team wirklich gegen Pornos durchgreifen, welche Maßnahmen könnten sie ergreifen?

In der Vergangenheit gab es bereits Versuche, Pornos durch Arbeitsschutzvorschriften zu reglementieren. So wurde kürzlich über die sogenannte Proposition 60 abgestimmt, die den Gebrauch von Kondomen in allen Filmen mit Sex-Szenen vorschreiben sollte—der Vorschlag wurde jedoch abgelehnt. Die Pornoindustrie als ausbeuterisch darzustellen oder den Arbeitnehmerschutz vorzuschieben, sind allerdings eher Taktiken von liberalen Porno-Gegnern. Trumps konservative Kumpane dürften das Thema Pornografie wohl eher aus der Zensur-Ecke angehen.

Schon während der Bush-Regierung zwangen strenge Vorschriften die Pornoproduzenten, ausführliche Aufzeichnungen über ihre Arbeit zu führen—die bereits erwähnten 2257 Regulations entstammen dieser Zeit und sind, trotz gerichtlicher Anfechtung, immer noch in Kraft. Außerdem wurden Produzenten von härteren Pornos wie Max Hardcore, Extreme Associates und Evil Angel wegen Obszönität angeklagt.

Da Pence seine Vorliebe für die 2257 Regulations bereits unter Beweis gestellt hat, müssen Pornoproduzenten in Zukunft penibel darauf achten, ob sie auch alle Unterlagen ihrer Schauspieler bis ins kleinste Detail korrekt ausgefüllt haben. Trotzdem sind Klagen unter Trump weniger wahrscheinlich als zu Bushs Zeiten. Da Pornos heutzutage hauptsächlich online verbreitet werden, ist es schwerer, die „der Gesellschaft entsprechenden Standards" festzulegen, die der Miller-Test als Richtwert vorschreibt. Nach diesen Kriterien wird vor dem Supreme Court nämlich darüber entschieden, ob ein Werk als obszön eingestuft und somit verboten werden kann. Natürlich heißt das noch lange nicht, dass die Trump-Regierung es nicht trotzdem versuchen wird. In diesem Fall wären Stabiles Einschätzung nach Fetisch-, BDSM, Trans- und Gay-Inhalte die wahrscheinlichsten Angriffsziele.

Außerdem gibt es inzwischen weitere Möglichkeiten zur Zensur, die der konservativen Bush-Regierung noch nicht zur Verfügung standen. Die Regierung könnte beispielsweise alle Porno-Seiten zwingen, mit .XXX-Domains zu arbeiten. So könnten pornografische Inhalte viel leichter identifiziert und massenhaft gesperrt oder blockiert werden. Trumps Team könnte sich außerdem ein Vorbild an seinen britischen Kollegen nehmen und Internetdienstleister zwingen, pornografische Inhalte zu blockieren. Diese Inhalte können in Großbritannien in Zukunft nur auf expliziten Wunsch des Nutzers freigeschaltet werden—und wer würde nicht gerne bei der Telekom anrufen und sie bitten, die Pornos wieder freizuschalten?

Die Regierung könnte außerdem verstärkt Druck auf Seiten wie Twitter oder Tumblr ausüben, pornografische Inhalte von ihren Seiten zu verbannen. Zu guter Letzt könnte Team Trump den Pornoproduzenten das Leben schwer machen, indem es ihnen notwendige Infrastruktur wie den Zugang zu Banken abschneiden.

Stabile ist der Meinung, dass es in dieser Debatte um mehr als um die Pornoindustrie gehe. Vielmehr ginge es auch um fundamentale Rechte wie freie Meinungsäußerung. Wenn es also der Regierung gelingt, Pornoproduzenten zu unterdrücken, könnte das Präzedenzfälle schaffen: So könnten auch andere Akteure, wie Künstler, Lehrer oder Büchereien zensiert werden, die von den Machthabenden als obszön oder aufrührerisch eingestuft werden.

Auch wenn dieser Ausblick sehr düster wirkt, gibt es doch einen Lichtblick: Die Pornoindustrie in den USA ist inzwischen sehr viel besser organisiert als in der Bush-Ära. Auch Gesetzesentwürfe wie die "Proposition 60" haben dazu beigetragen, dass die Mitglieder der Industrie politischer agieren und auch Verbündete außerhalb der Branche für sich gewinnen konnten—und gerade diese Unterstützung könnte in nächster Zeit sehr wichtig werden.