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    Drei Potsdamer Studenten zeigen, wie Airbnb die Mietpreise verändert

    Autor

    Johannes Hausen

    Mit dem Versprechen, den allgemeinen Wohlstand aller Menschen zu steigern, trat die Sharing Economy einst an, unser Leben positiv zu verändern. Die Menschen sollten teilen und nett zu einander sein, ein jeder vom anderen profitieren. Zumindest bei Uber hat das in Deutschland überhaupt nicht funktioniert. Um die private Taxianbieter-Plattform tobte ein erbitterter Rechtsstreit und seit gestern ist sie deutschlandweit verboten.

    Inzwischen allerdings gilt das einstige Vorzeigemodell der Sharing Economy, die Online-Zimmervermittlung Airbnb, als einer der Sündenböcke für die explodierenden Mietpreise in deutschen Innenstädten, die Tausende alteingesessener Mieter zwingt, in die Außenbezirke zu ziehen.

    Die drei Potsdamer Interfacedesign-Studenten Alsino Skowronnek, Jonas Parnow und Lucas Vogel haben mit ihrem datenjournalistischen Projekt Airbnb vs. Berlin nun eindrucksvoll die Ausmaße der von Airbnb und seiner Nutzer vorangetriebenen Gentrifizierung visualisiert.

    Sie konzentrierten sich dabei vor allem auf Berlin, das mit knapp 12.000 angebotenen Wohneinheiten auch auf Airbnb die deutsche Hauptstadt ist.

    Die Datenvisualisierung zeigt, dass vor allem in den angesagten Berliner-Szenekiezen regelrechte Airbnb-Meilen wie Pilze aus dem Boden schießen. Allein für die Neuköllner Sonnenallee listet Airbnb über 100 Inserate. Der Neuköllner Reuterkiez ist insgesamt am stärksten von den invasiven Umwandlung günstigen Wohnraums in lukrative Touristenunterkünfte betroffen. Auf nur 18.500 Einwohner kommen hier 476 Airbnb-Wohnungsangebote. In den letzten fünf Jahren hat sich der Quadratmeterpreis für Mietwohnungen hier von 5,9 EUR auf 10,4 EUR erhöht. Ähnliche Entwicklungen finden sich im Kiez rund um die Friedrichshainer Simon-Dach-Straße und die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg.

    Rund um die Straßen mit der höchsten Anzahl an Airbnb-Vermietungen hat sich auch der Mietpreisspiegel am signifikantesten erhöht

    Besonders vorangetrieben wird die parasitäre Verbreitung der Kollektiven-Wohlstands-Fata-Morganas durch die sogenannten Airbnb-Poweruser, deren Anteil mit 29% aller Nutzer in Berlin deutschlandweit mit Abstand am höchsten ist. Poweruser zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht ein oder zwei Zimmer, sondern bis zu 50 Wohnungen gleichzeitig anbieten.



    Ein Blick auf die vier größten Berliner Anbieter und ihre Wohnungen enthüllt außerdem eine interessante Tatsache: Anscheinend haben sich die Poweruser die Berliner Innenstadt geografisch aufgeteilt.

    Denn wie die interaktive Datenvisualisierung der Standorte der Inserate zeigt, konzentrieren sich die Wohnungen jeweils eines Anbieters im Nordosten und -westen, in Mitte sowie im Süden von Berlin.


    Alle Datenvisualisierungen findet ihr auf der Website des Projekts Airbnb vs. Berlin.

    Der Artikel wurde seit der ersten Veröffentlichung um weitere Daten zur Mietpreisentwicklung in Berlin ergänzt.